|
|
 |
|
- Wirtschaftsspionage - |
Unter Wirtschaftsspionage ist in
erster Linie Konkurrenz- und Industriespionage zu verstehen. Da in jedem Staat
Politik und Wirtschaft miteinander verflochten sind, ist es naheliegend, dass
die entsprechenden staatlichen Geheimdienste hier generell oder vereinzelt
angewiesen werden, den entsprechenden Unternehmen Hilfe zu leisten.
Nimmt man die operativen
Möglichkeiten eines staatlichen Geheimdienstes, so ist auf diesem Gebiet nahezu
alles denkbar.
Da ist einerseits das klassische
Ausspionieren der Forschungs-, Entwicklungs- und Planungssituation des
Unternehmens sowie das Abschöpfen von Ausschreibungspositionen. Die National Security Agency (NSA), die größte nationale Sicherheitsbehörde der USA, hat z.
B. nach dem Kalten Krieg ihr Echelon-System (→
Abhörmaßnahmen) auf Wirtschaftsspionage umgestellt und scheut auch vor der
Ausforschung von Verbündeten nicht zurück.
Andererseits liegen Operationen auf
der Hand, die dem Zielunternehmen Schaden zufügen, es in Misskredit bringen
können und kriminalisieren. Anklagen und Prozesse sind ein bewährtes Mittel der
USA, ausländische Staaten bzw. Unternehmen in Misskredit zu bringen. Hat z. B.
ein amerikanisches Unternehmen die Konstruktionsunterlagen eines deutschen
Unternehmens gestohlen, so meldet es das Diebesgut in den USA als Patent an und
das deutsche Opfer wird in den USA mit einer Flut von Anklagen überhäuft. Das
führt dann regelmäßig dazu, dass das deutsche Unternehmen in den USA nicht mehr
konkurriert.
Und wenn z. B. eine deutsche
Staatsanwaltschaft mit einem Großaufgebot an Ermittlern, Steuerfahndern und
Staatsanwälten ein führendes deutsches Unternehmen und die Privatwohnungen der
Manager durchsucht, so begründen sich derartige Aktivitäten sicher nicht auf die
Anzeige einer Reinemachefrau, die da auf der Polizeiwache in München erschienen
ist und gemeint hat: »Mein Neffe war im Kongo Entwicklungshelfer und da hat der
folgendes gehört...« Die andere Möglichkeit, dass es irgendeinem Staatsanwalt
langweilig wurde und er seinen Assistenten und drei Kriminalbeamte losschickte,
um einmal zu eruieren, ob der Auftrag aus dem Kongo oder aus Russland ohne
Bestechungsgeld an Land gezogen wurde, ist ebenfalls noch nicht einmal witzig.
Haben die Staatsanwaltschaften
aber trotzdem gut begründete Verdachtsmomente, so muss man sich fragen, wie sie
zu diesen gekommen sind. Dass die Staatsanwaltschaften dann ermitteln müssen
und man zumindest die Folterwerkzeuge vorzeigen muss, versteht sich im Kontext
der internationalen rechtspolitischen Systematik. 2007 kostete ein solcher Fall einen deutschen Konzern
mindestens 2,3 Milliarden Euro und die amerikanische Konkurrenz wird sich ins
Fäustchen gelacht haben.
Der gesamte Ablauf dieser
damaligen Bestechungsaffäre zum Nachteil eines deutschen Konzerns lässt darauf
schließen, dass die staatsanwaltlichen Ermittlungen auf guter Vorarbeit eines
ausländischen Geheimdienstes beruhten. Und dabei ist klar, dass die
entsprechende
Desinformationsstrategie gleich mit eingeplant wurde. Man muss sich nicht
wundern, dass die Katze stets dort die Löcher im Fell hat, wo ihre Augen sind.
Und genügt die moralische Empörung deutscher Medien nicht, kommt - rein zufällig
-
in einer amerikanischen Zeitung die nächste Enthüllungsstory.
Nur leider war und ist der
deutschen Öffentlichkeit nicht bewusst, dass es in vielen Staaten überhaupt
nicht möglich ist, ohne entsprechende Vorteilsgewährung für bestimmte
Entscheidungsträger einen Auftrag zu bekommen. Die Frage ist nur, ob man es als
Bestechung bezeichnen muss oder es zur Marketingstrategie gehört, dass man ein
bestimmtes »Beratungsunternehmen« vorschaltet. Das gilt nach unseren
Erkenntnissen sicher für Russland, Saudi-Arabien und ebenfalls für die USA.
Einen sehr aufschlussreichen
Einblick, wie Wirtschaftsspionage über geheimdienstliche Tarnfirmen funktioniert,
wie man derartige Unternehmen spiegelt und warum nie ein Staatsanwalt gegen die
eigentlichen Akteure ermittelt, erzählt der Geheimdienstmann Eichenberger in seinem
Roman
»Faule Eier«.
Dieser Agentenroman zwischen Fakten und Fiktion ist nur insoweit
Fiktion, wie man auch im Ruhestand bestimmte Gauner nicht mit dem richtigen
Namen nennen darf und auch keine Ähnlichkeiten aufkommen dürfen.
Hier ein Ausschnitt aus dem
Interview zur Geschichte:
Wie müssen wir uns die
Auftraggeber vorstellen?
Eichenberger: Es bedarf im Bereich der Industriespionage
eines potenten Handelspartners, der direkt oder über einen
Hehler tätig wird. Dieser Mittelsmann steht nicht im Halbdunkel
an der Straßenecke oder ist der Nachbar der Putzfrau, sondern
brilliert im 1.000 Dollar-Anzug beim Neujahresempfang des
Industrie- und Handelskammerpräsidenten oder dergleichen.
Das wird in Ihrem Roman
verdeutlicht. Nur wird sich tatsächlich nicht die CIA um eine Schweizer
Maschinenbaufirma kümmern...
Eichenberger: Was glauben Sie, um was die sich kümmert? Um
rumänische Kleinkriminelle, um orientalische Teppichhändler...?
Natürlich hat man den Eindruck, dass derzeit die Bekämpfung des
Terrorismus und die dazugehörenden Finanztransaktionen Vorrang
haben. Die Abschöpfung von Know-how war aber schon immer
originäre Aufgabe des Dienstes und dabei handelt es sich nicht
nur um militärisches Wissen. Die Strukturen, die ich in meinem
Roman aufzeige, existieren real, hier und heute und sind nicht
einfach erfunden...
Aber Sie müssen doch zugeben,
dass ein chinesischer oder russischer Industriespion wahrscheinlicher ist als
ein amerikanischer.
Eichenberger: Ein chinesischer oder russischer
Industriespion erfüllte eher die in der Gesellschaft vorhandenen
Vorstellungen. Würde man einen chinesischen Küchenhelfer beim
Ablichten eines Risottorezeptes ertappen, stände es morgen in
der Zeitung. Haben aber die eigenen Geheimdienste den dringenden
Verdacht, dass bestimmte Handelsfirmen getarnte
Zweigniederlassungen des CIA sind, so würden die
Staatsanwaltschaften noch nicht einmal ermitteln. Und wenn,
liefen die Ermittlungen ins Leere...
Das vollständige Interview gibt es
hier
|
|
| |
|
|
|