Alles über die Romane von Heinrich Eichenberger

 
Hubert W. Holzinger Verlag, Berlin - Protagonisten
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- Wirtschaftsspionage - 

Unter Wirtschaftsspionage ist in erster Linie Konkurrenz- und Industriespionage zu verstehen. Da in jedem Staat Politik und Wirtschaft miteinander verflochten sind, ist es naheliegend, dass die entsprechenden staatlichen Geheimdienste hier generell oder vereinzelt angewiesen werden, den entsprechenden Unternehmen Hilfe zu leisten.

Nimmt man die operativen Möglichkeiten eines staatlichen Geheimdienstes, so ist auf diesem Gebiet nahezu alles denkbar.

Da ist einerseits das klassische Ausspionieren der Forschungs-, Entwicklungs- und Planungssituation des Unternehmens sowie das Abschöpfen von Ausschreibungspositionen. Die National Security Agency (NSA), die größte nationale Sicherheitsbehörde der USA, hat z. B. nach dem Kalten Krieg ihr Echelon-System (→ Abhörmaßnahmen) auf Wirtschaftsspionage umgestellt und scheut auch vor der Ausforschung von Verbündeten nicht zurück.

Andererseits liegen Operationen auf der Hand, die dem Zielunternehmen Schaden zufügen, es in Misskredit bringen können und kriminalisieren. Anklagen und Prozesse sind ein bewährtes Mittel der USA, ausländische Staaten bzw. Unternehmen in Misskredit zu bringen. Hat z. B. ein amerikanisches Unternehmen die Konstruktionsunterlagen eines deutschen Unternehmens gestohlen, so meldet es das Diebesgut in den USA als Patent an und das deutsche Opfer wird in den USA mit einer Flut von Anklagen überhäuft. Das führt dann regelmäßig dazu, dass das deutsche Unternehmen in den USA nicht mehr konkurriert.

Und wenn z. B. eine deutsche Staatsanwaltschaft mit einem Großaufgebot an Ermittlern, Steuerfahndern und Staatsanwälten ein führendes deutsches Unternehmen und die Privatwohnungen der Manager durchsucht, so begründen sich derartige Aktivitäten sicher nicht auf die Anzeige einer Reinemachefrau, die da auf der Polizeiwache in München erschienen ist und gemeint hat: »Mein Neffe war im Kongo Entwicklungshelfer und da hat der folgendes gehört...« Die andere Möglichkeit, dass es irgendeinem Staatsanwalt langweilig wurde und er seinen Assistenten und drei Kriminalbeamte losschickte, um einmal zu eruieren, ob der Auftrag aus dem Kongo oder aus Russland ohne Bestechungsgeld an Land gezogen wurde, ist ebenfalls noch nicht einmal witzig.

Haben die Staatsanwaltschaften aber trotzdem gut begründete Verdachtsmomente, so muss man sich fragen, wie sie zu diesen gekommen sind. Dass die Staatsanwaltschaften dann ermitteln müssen und man zumindest die Folterwerkzeuge vorzeigen muss, versteht sich im Kontext der internationalen rechtspolitischen Systematik. 2007 kostete ein solcher Fall einen deutschen Konzern mindestens 2,3 Milliarden Euro und die amerikanische Konkurrenz wird sich ins Fäustchen gelacht haben.

Der gesamte Ablauf dieser damaligen Bestechungsaffäre zum Nachteil eines deutschen Konzerns lässt darauf schließen, dass die staatsanwaltlichen Ermittlungen auf guter Vorarbeit eines ausländischen Geheimdienstes beruhten. Und dabei ist klar, dass die entsprechende Desinformationsstrategie gleich mit eingeplant wurde. Man muss sich nicht wundern, dass die Katze stets dort die Löcher im Fell hat, wo ihre Augen sind. Und genügt die moralische Empörung deutscher Medien nicht, kommt - rein zufällig - in einer amerikanischen Zeitung die nächste Enthüllungsstory.

Nur leider war und ist der deutschen Öffentlichkeit nicht bewusst, dass es in vielen Staaten überhaupt nicht möglich ist, ohne entsprechende Vorteilsgewährung für bestimmte Entscheidungsträger einen Auftrag zu bekommen. Die Frage ist nur, ob man es als Bestechung bezeichnen muss oder es zur Marketingstrategie gehört, dass man ein bestimmtes »Beratungsunternehmen« vorschaltet. Das gilt nach unseren Erkenntnissen sicher für Russland, Saudi-Arabien und ebenfalls für die USA.

Einen sehr aufschlussreichen Einblick, wie Wirtschaftsspionage über geheimdienstliche Tarnfirmen funktioniert, wie man derartige Unternehmen spiegelt und warum nie ein Staatsanwalt gegen die eigentlichen Akteure ermittelt, erzählt der Geheimdienstmann Eichenberger in seinem Roman »Faule Eier«. Dieser Agentenroman zwischen Fakten und Fiktion ist nur insoweit Fiktion, wie man auch im Ruhestand bestimmte Gauner nicht mit dem richtigen Namen nennen darf und auch keine Ähnlichkeiten aufkommen dürfen.

Hier ein Ausschnitt aus dem Interview zur Geschichte:

Wie müssen wir uns die Auftraggeber vorstellen?

Eichenberger: Es bedarf im Bereich der Industriespionage eines potenten Handelspartners, der direkt oder über einen Hehler tätig wird. Dieser Mittelsmann steht nicht im Halbdunkel an der Straßenecke oder ist der Nachbar der Putzfrau, sondern brilliert im 1.000 Dollar-Anzug beim Neujahresempfang des Industrie- und Handelskammerpräsidenten oder dergleichen.

Das wird in Ihrem Roman verdeutlicht. Nur wird sich tatsächlich nicht die CIA um eine Schweizer Maschinenbaufirma kümmern...

Eichenberger: Was glauben Sie, um was die sich kümmert? Um rumänische Kleinkriminelle, um orientalische Teppichhändler...? Natürlich hat man den Eindruck, dass derzeit die Bekämpfung des Terrorismus und die dazugehörenden Finanztransaktionen Vorrang haben. Die Abschöpfung von Know-how war aber schon immer originäre Aufgabe des Dienstes und dabei handelt es sich nicht nur um militärisches Wissen. Die Strukturen, die ich in meinem Roman aufzeige, existieren real, hier und heute und sind nicht einfach erfunden...

Aber Sie müssen doch zugeben, dass ein chinesischer oder russischer Industriespion wahrscheinlicher ist als ein amerikanischer.

Eichenberger: Ein chinesischer oder russischer Industriespion erfüllte eher die in der Gesellschaft vorhandenen Vorstellungen. Würde man einen chinesischen Küchenhelfer beim Ablichten eines Risottorezeptes ertappen, stände es morgen in der Zeitung. Haben aber die eigenen Geheimdienste den dringenden Verdacht, dass bestimmte Handelsfirmen getarnte Zweigniederlassungen des CIA sind, so würden die Staatsanwaltschaften noch nicht einmal ermitteln. Und wenn, liefen die Ermittlungen ins Leere...

Das vollständige Interview gibt es hier

 
 
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Heinrich Eichenberger, Geheimdienstmann und Autor

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