Geheimdienste bezeichnen (noch) nicht aktive, aber entsprechend
positionierte Agenten als Schläfer.
Die Positionierung eines Agenten im Ausland kann
strategischer Natur sein. Der Geheimdienst benötigt den Agenten nicht aktuell,
sondern erst bei einer entsprechenden Konstellation. Immer erfolgt der Einsatz
auf speziellen Befehl.
Denkbar sind viele Möglichkeiten:
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Man kann eine geplante Operation erst durchführen, wenn
andere Agenten entsprechend positioniert sind.
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Der Agent ist an der Seite eines Politikers, von dem ein
entscheidender Karriereschritt erwartet wird.
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Der Agent soll erst bei einer bestimmten politischen/militärischen
Konstellation tätig werden.
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Der Agent selbst ist strategisch gut aufgestellt, muss aber
erst noch die entsprechende Position erlangen (eigene Karriere).
Da Agenten bei der Übermittlung der gewonnenen Nachricht am
meisten gefährdet sind (vgl. auch →
Kurier, →
Toter
Briefkasten), ist die Stellung des Schläfers diejenige, welche die
Person am wenigsten gefährdet. Wird der Schläfer für seine Wartestellung im
Ausland entlohnt, gefährdet man ihn bereits wieder durch den Geldtransfer.
Geheimdienste entlohnen deshalb vielleicht Angehörige in der Heimat oder
schreiben den Agentenlohn gut.
Der Schläfer stellt deshalb besondere Probleme für den
Führungsoffizier dar, denn der nicht aktive Agent muss die virtuelle Nabelschnur
spüren. Ist die Verbindungsnahme zu selten, schwindet das gegenseitige Vertrauen
und der Schläfer springt ab oder er wird im Sinne eines überflüssigen, gar
schädlichen, vorauseilenden Gehorsams zum → Selbstläufer. Findet ein
Kontakt zu häufig statt, ist die Geheimhaltung gefährdet. Es gibt aber kaum ein
höheres Geheimhaltungserfordernis als die Existenz von Schläfern. Im Feindgebiet
sind sie völlig schutzlos und, was psychologisch ein ganz besonderes Erschwernis
darstellt, die geheime Verbindung muss über eine lange Zeit, in vielen
Fällen über Jahre aufrechterhalten werden.
Da Agenten ebenfalls nur Menschen sind, kann es auch
passieren, dass ein Schläfer irgendwann zu der Erkenntnis kommt, man hätte ihn vergessen und selbst
Kontakt aufnimmt. Darauf hat vielleicht die gegnerische
Abwehr nur gewartet und
je nach Land und politischer Konstellation schwebt der Schläfer in höchster
Gefahr.
Für derartige Gefahren interessieren sich die Bürger eines
Landes allerdings kaum. Bedrohlich empfinden sie jedoch die Tatsache, dass in
ihrer Gesellschaft Leute leben, die quasi bei Anruf ihre Identität wechseln und
zum Attentäter, zum Saboteur oder zum Terroristen werden können.