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- MfS - 

MfS ist die Abkürzung von »Ministerium für Staatssicherheit« und wird umgangssprachlich mit Stasi bezeichnet. Das MfS war der Geheimdienst der DDR und im Gegensatz zum BND, der dem Innenministerium unterstellt ist, eine eigene Behörde und Bestandteil der Regierung.

Sein Aufbau erfolgte auf Grundlage eines Politbürobeschlusses der KPdSU, eine Hauptverwaltung zum Schutz der Volkswirtschaft zu gründen. Am 24.01.1950 wurde die Gründung des MfS beschlossen.

Volkswirtschaften müssen nur dann »geschützt« werden, greift der Staat in die Mechanismen von Angebot und Nachfrage ein, anstatt dem Markt lediglich einen Ordnungsrahmen zu geben. So entsteht z. B. bei der Subventionierung von Brot eine Zunahme der Nachfrage, weil es sich plötzlich rentiert, das billige Brot auch an die Schweine zu verfüttern. Schreibt man den Lohn für einen Arzt vor, so wird dieser versuchen, diese Vorschrift zu umgehen. Im deutsch/deutschen Verhältnis hatte dies dann zur Folge, dass die westliche Bevölkerung die subventionierten Lebensmittel in der DDR kauften und z. B. die Ärzte, wie auch andere Fachkräfte, die DDR verließen, da im Westen die Einkommenserwartungen größer waren. Um dieses Ausbluten der Volkswirtschaft zu verhindern, brauchte man eine übermäßige Kontrolle, Abschottung des eigenen, verzerrten Marktes und die Unterdrückung von Personen, die anders denken und damit anders handeln könnten.

Die logische Folge ist der Aufbau einer Geheimpolizei. Man kann bezweifeln, ob diese Schlussfolgerung jedem Salonkommunisten und Ökofaschisten in der freien Welt intellektuell verständlich ist. An dieser Stelle ist das Erwähnen derartiger Zusammenhänge nur deshalb notwendig, weil manche heutigen Berichterstatter behaupten, dass die damaligen kommunistischen Machthaber den »Schutz der Volkswirtschaft« nur als Vorwand nahmen, um eine Geheimpolizei, quasi aus Lust heraus, zu gründen.

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass sich die kapitalistischen Staaten unter Federführung der USA nicht sicher waren, ob die eigene Arbeiterschaft nicht vielleicht doch den Verheißungen des Kommunismus zum Opfer fallen würde. So kämpfte der Westen aktiv gegen den Ostblock und selbstverständlich auch gegen kommunistische Umtriebe im eigenen Land.

Den Charakter der Geheimpolizei wurde das MfS nicht los, weil die nach innen gerichteten Aufgaben (Überwachungen, Kontrollen, Absicherungen) den Anteil der Aufklärungsarbeit eines klassischen Nachrichtendienstes bei weitem überwog. Die überwiegende Mehrheit der weit über 100.000 informellen Mitarbeitern arbeiteten quasi als Zuträger innerhalb der DDR.

Da die dem Ministerium eigene Hauptabteilung für Passkontrolle, Kultur und Kirche, Kader und Schulungen oder Mobilmachung und vieles mehr aber auch für unterschiedliche polizeiliche Tätigkeiten zuständig war, ist sie mit einem westlichen Nachrichtendienst nur schwer vergleichbar.

Die Eigensicherung hatte beim MfS einen hohen Stellenwert. So wurden potentielle hauptamtliche Mitarbeiter mindestens zwei Jahre beobachtend begleitet, bevor man den ersten Kontakt zur Anwerbung machte. Da in der DDR Mangelwirtschaft und Ineffizienz vorherrschten, konnte man die potentiellen Mitarbeiter auch damit locken, dass das MfS bestimmte Engpässe zu umschiffen verstand. Grundsätzlich kann man die Menschen und den Apparat immer nur aus deren Perspektive verstehen. Aus der Sicht eines gut situierten Bürgers der BRD war der private »Luxus« von Erich Mielke (Minister) vielleicht mit dem eines Schrebergärtners in Bielefeld zu vergleichen.

Die Hauptverwaltung Aufklärung (HV A) des MfS war u. a. für die Auslandsaufklärung des Ministeriums zuständig. Darunter verstand man die Ausforschung politischer, wirtschaftlicher, technologischer und militärischer Komplexe sowie die Gegenspionage, also das Eindringen in den gegnerischen Geheimdienstapparat.

Insgesamt war die Auslandsaufklärung des MfS außerordentlich erfolgreich. Durch mehrere Tatsachen wurde dieser Erfolg flankiert:

Einerseits ist eine pluralistische Gesellschaft leichter zu infiltrieren als eine Gesellschaft, in der die persönlichen Freiheiten stark eingeschränkt sind und über Partei, Kader und Kollektive kontrolliert werden. Andererseits konnte der Ostagent im Westen alle seine Vorteile genießen, während der Westagent im Osten einer Vielzahl von Beschränkungen ausgesetzt war, wollte er nicht sofort auffallen. Die potentielle Strafe, die den Westagenten in der DDR erwartete, ging bis zur Todesstrafe. Und lange Zeit wäre diese Höchststrafe zumindest für einen Doppelagenten fast sicher gewesen. Auch im Falle einer möglichen Enttarnung gab es Disparitäten beim Rückzug. Er war vom Westen nach Osten ohne systematische Grenzkontrolle auf der Westseite möglich - umgekehrt aber nicht.

Die HV A positionierte u. a. innerhalb der NATO, dem Bundeskanzleramt, im Bundestag, dem Außenministerium, beim MAD und beim BND Top-Agenten, die teilweise erst mit dem Zusammenbruch der DDR enttarnt wurden.

Ferner war die HV A bei der Zersetzung ausgebürgerter DDR-Dissidenten tätig.

Die moralische Verurteilung derartiger Aktivitäten ist jedem freigestellt. Man sollte aber dabei bedenken, dass ein Geheimdienst das Werkzeug der jeweiligen Regierung ist. Eine Regierung sorgt für Kindergartenplätze, bezahlbare Mieten, billiges Brot, Fliesen im Fleischerladen und für die Ausbildung von Geheimpolizisten. So wird dies auch bei uns kommen, glauben immer mehr Menschen, der Staat wäre dafür verantwortlich, friert es sie an den Händen. Am Schluss entscheiden die Apparatschiks, wer welche Handschuhe zu tragen hat und wer ein Verräter an der »guten« Sache ist und zersetzt werden muss.

 

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Heinrich Eichenberger, Geheimdienstmann und Autor

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