Alles über die Romane von Heinrich Eichenberger

 
Hubert W. Holzinger Verlag, Berlin - Protagonisten
Geheimdienstlexikon

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- Eigensicherung - 

Unter Eigensicherung versteht man die Maßnahmen, die ein Operateur treffen muss, um selbst keinen Schaden zu erleiden. Am augenfälligsten ist der Notretter, der einen Menschen retten möchte und dabei selbst umkommt. Für den Geheimdienstagenten bedeutet Eigensicherung, alles zu tun, um nicht selbst enttarnt zu werden. Gleich wie es dem Unternehmen nichts nutzt, fällt der fleißige Arbeiter vom Gerüst, haben in der Regel Geheimdienste mehr Schaden als Nutzen, werden die Agenten enttarnt. Ob das Auffliegen der Tarnung mit dem Tod des Agenten, mit Haft oder nur mit Abschiebung endet, ist dabei nur für die Person selbst wesentlich. Für den Geheimdienst ist der Agent so oder so unbrauchbar geworden.

Eigensicherung muss im Umfeld der Geheimdienste aus der Perspektive des Agenten gesehen werden. Bzw. tut der Agent selbst gut daran, es ausschließlich aus seiner Perspektive zu sehen. Denn es ist ohne weiteres möglich, dass der Apparat in seinem omnipotenten  Größenwahn von vorneherein die Enttarnung des Agenten operativ mit einkalkuliert hat. Mit Moral hat dies nichts zu tun. Auch das Militär kalkuliert bei jeder Strategieplanung so und soviel Tote, Schwerst- und Leichtverletzte mit ein. Ein vollkommener Gegensatz zur Polizei oder Feuerwehr. Bei diesen Organisationen ist die Eigensicherung der Mitarbeiter wesentlicher Bestandteil der Operationsplanung und Ausbildung. Die öffentlichen Trauerfeiern beim Militär sind dagegen nichts anderes als Propagandaveranstaltungen zwecks weiterer Mobilisierung der Bevölkerung. Nehmen die Gefallenen zu, wird mit großem Aufwand alles getan, ihre Anzahl zu verschleiern bzw. geheim zu halten.

Geheimdienste sind so gesehen der Öffentlichkeit überhaupt keine Rechenschaft schuldig. Gleichzeitig operieren ihre Agenten auf getarnter Grundlage. Niemand ist also in der Regel bereit, dem Agenten auch nur eine Träne nachzuweinen. Führungsoffiziere der CIA haben so z. B. DDR-Bürger als Agenten angeworben, schwach ausgebildet und, nachdem sie von der Abwehr der DDR enttarnt und festgenommen wurden, sich nicht mehr darum gekümmert. Im Gegenteil: Sie steckten sich den Agentenlohn in die eigene Tasche. Die Patrioten der freien Welt hätten bis zum Fall der Mauer im Gefängnis gesessen, hätte sich die DDR nicht selbst über diverse Kanäle jahrelang um einen Austausch bemüht. Wie durch Zeugenaussagen bekannt wurde, brauchte die CIA über ein Jahr, um überhaupt zu konstatieren, dass hier das eigene Personal betroffen ist. Es ist eben ein Unterschied, ob Politiker am Sonntag große Reden schwingen oder man konkret etwas umsetzen muss, indem man zumindest seine Behörden im Griff hat.

Noch gefährlicher wird es für Operateure, die überhaupt nicht wissen, dass sie für einen Geheimdienst tätig sind. Gerade in der Ost-West-Konfrontation wurden zahlreiche westdeutsche Patrioten so von den Geheimdiensten verheizt. Man engagierte irgendwelche Leute »für die armen Leute drüben«, weil sie Geld brauchten, weil sie Detektiv spielen wollten, obwohl es für einen Profi klar war, dass ihre Enttarnung nur eine Frage der Zeit war. Da wird es auch Fälle gegeben haben, bei denen der BND selbst überhaupt nichts vom Tun seiner Führungsoffiziere wusste. Dies ist jedoch keine Entschuldigung, sondern ein Beweis, dass die Führung ihre Leute nicht im Griff hatte.

Noch perverser stellen sich Fälle dar, wo man in der Nachwendezeit sog. Stasi-Agenten wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit verurteilte und man später kleinlaut zugeben musste, dass der Verurteilte ja auch noch auf der Gehaltsliste des BND oder der CIA stand. Warum sich die Agenten nicht wehrten, ist auch klar: Es wird ihnen suggeriert, dass sie auf keinen Fall an die Öffentlichkeit gehen sollten, man würde verdeckt für sie sorgen. In Wirklichkeit waren die meisten bereits verraten, bevor man sie anwarb.

Und dazu der Fachmann Eichenberger, der in seinem Roman »Der Siegermacher« einen Protagonisten sagen lässt: »Geheimdienst?! Wer sich auf so etwas einlässt, ist verraten und verkauft.«

Wer für einen Geheimdienst arbeitet und nicht als Hauptamtlicher auf dessen Besoldungsliste steht, kann sich nie sicher sein, ob er nicht hilft, irgendwelche privaten Scharmützel auszufechten. Denn seine Aufträge tragen ja keinen Dienstsiegel der Behörde. Da gibt es Geheimagenten, die annahmen, im Auftrag des Dienstes und somit des Staates eine Tarnfirma zu errichten. Dann wurden Waffen und Technologietransfers durchgezogen und selbstverständlich fragte der Agent nicht nach der Legitimation und rechtlichen Absicherung dieser grenzwertigen Geschäfte. Doch dann kommt eines Tages die Presse und in ihrer Gefolgschaft die Staatsanwaltschaft, dann der Untersuchungsrichter und am Schluss folgt die Verurteilung. Und der Geheimdienst mauert, verweigert die Aussage, stellt sich ahnungslos. Das Ergebnis lautet: Haft- und Geldstrafen, Insolvenz und finanzieller Ruin des betroffenen Nachrichtendienstmannes.

Die aufgebaute Schikane funktioniert wie folgt: Bekundet der Agent bereits bei der ersten staatsanwaltschaftlichen Vernehmung, er hätte im Auftrag des eigenen oder befreundeten Geheimdienstes gearbeitet, fühlen sich die Dienste verraten, der Agent hat gegen die Anweisung verstoßen, hat die Loyalität verletzt und gilt als Verräter. Folglich verweigert er die Aussage und hofft, die »Firma« würde die ganze Sache hinter den Kulissen regeln. Doch es wird nichts geregelt, weil die Führung des Geheimdienstes politischen Druck verspürt und um die eigene Karriere fürchtet.

Spätestens, wenn der Agent verurteilt ist, merkt er, dass ihm niemand weder vor noch hinter den Kulissen geholfen hat oder dies auch nur vor hatte. Also packt er aus. Ergebnis: Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Richter bewerten diese Aussagen als Schutzbehauptung. Und der Geheimdienst behauptet, nie derartige Aktivitäten beauftragt zu haben.

Für jeden Agenten kann das Fazit deshalb nur lauten, auch gegen den eigenen Arbeitgeber äußerst misstrauisch zu sein und auf keinen Fall den Verstand an der Garderobe abzugeben.

 

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Der Siegermacher, ein Agententhriller zwischen Fakten und Fiktion

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Der Siegermacher
Agentenroman
©2008, 406 Seiten
broschiert 21x14,3 cm
ISBN
978-3-926396-70-9
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Faule Eier, ein neuer Fall für Sir Alec

Heinrich Eichenberger:
Faule Eier
Agentenroman
©2009, 304 Seiten
broschiert 21x14,3 cm
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978-3-926396-72-3
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Autor
Heinrich Eichenberger, Geheimdienstmann und Autor

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